Initiativkreis Barfüßerkirche

Seit achthundert Jahren ist die Barfüßerkirche ein prägendes Element des Erfurter Stadtbildes:

Über dreihundert Jahre als Klosterkirche der Erfurter und Zentrum der osteuropäischen Franziskanerbrüder – in dieser Zeit schon einmal abgebrannt und neu errichtet. Viereinhalb Jahrhunderte war sie Gemeindekirche der Evangelischen Barfüßergemeinde – verwahrlost und renoviert, eingestürzt und wiederaufgebaut. Und dann – endgültig? – zur Ruine geworden und von der Gemeinde verlassen, Außenstelle der Mittelaltersammlung des Angermuseums Erfurt.

Grund genug, um sich für die Geschichte und Zukunft dieses Gebäudes einzusetzen.

Überblick

Der Gründung des Initiativkreises ging ein Zusammenschluß engagierter Bürger unter dem Dach des Fördervereins „Freunde des Angermuseums e.V.” voraus, die 2007 eine Arbeitsgruppe Barfüßerkirche bildeten. Das Bauwerk war gerade vom Bundesbeauftragten für Kultur und Medien zum „national bedeutenden Kulturdenkmal” erhoben worden, und der Erfurter Stadtrat hatte sich in einer langen und sehr emotional geführten Debatte trotz angekündigter Fördermittel in beträchtlicher Höhe nicht zu einem Konzept für die Entwicklung dieser Kulturstätte inmitten der Altstadt verständigen können.

Die Arbeitsgruppe organisierte Diskussionsveranstaltungen mit Architekten, Denkmalpflegern und Politikern. 2008 gelang es ihr, eine denkmalpflegerische Maßnahme – die Ertüchtigung der letzten Stufen des Turmaufstiegs –, die bei der vorangegangenen Sanierung des Turms nicht zu Ende geführt werden konnte, mit einer öffentlichen Förderung aus Lottomitteln umzusetzen. Das Interesse an diesem Vorhaben war groß, denn es ermöglichte wieder, den Turm zu besteigen, nachdem dieser Mitte der 90er Jahre wegen seines schlechten Bauzustandes für Besucher gesperrt worden war.

Doch die Arbeitsgruppe stieß bald an ihre Grenzen. Zu umfangreich erwiesen sich die Aufgaben, vor die sie die Barfüßerkirche stellte. Unter dem Dach des Museumsvereins, der die Förderung der gesamten Breite der im Kunstmuseum bewahrten Bestände zum Ziel hat, war für die Sorge um dieses eine Objekt nicht genügend Raum.

Deshalb entschlossen sich vier Enthusiasten aus der Arbeitsgruppe im Förderverein 2010 den Initiativkreis Barfüßerkirche als nicht eingetragenen, gleichwohl gemeinnützigen Verein zu gründen.

Wir ahnten damals noch nicht, daß aus der temporär geplanten baubedingten Schließung des Hohen Chores und der darin befindlichen Ausstellung des Angermuseums ein Jahre währender Dauerzustand werden würde, dem wenigstens zeitweise abzuhelfen uns noch viel Energie kosten sollte, und begannen mit unserer Programmarbeit als Initiativkreis fast nahtlos dort, wo die Arbeitsgruppe geendet hatte.

Regelmäßig beteiligt sich der Initiativkreis an kulturellen Höhepunkten in der Landeshauptstadt: Wir machen Programm zur Langen Nacht der Museen und zu den Erfurter Denkmaltagen und laden im Rahmen der Aktion „Erfordia turrita” zum Aufstieg auf den Barfüßerturm ein.

In den vergangenen acht Jahren organisierte der Initiativkreis über 40 Vorträge. Themen waren die Geschichte von Kirche, Kloster und Kirchenausstattung, die Erhaltung des Bauwerks und seiner Kunstschätze sowie die Einordnung der Erfurter Barfüßerkirche in die europäische Kulturgeschichte.

In Kooperation mit dem Kammermusikverein Erfurt e. V. und anderen Partnern bieten wir Konzerte, Lesungen und Aufführungen an.

Auch Veranstaltungen anderer Akteure begleiten wir, indem wir ihren Gästen zu vereinbarten Zeiten Zugang zum Hohen Chor ermöglichen und ihnen dabei Wissens- und Bedenkenswertes über diesen besonderen Ort vermitteln können. So findet 2018 zum vierten Mal der nachhaltige und faire Adventsmarkt statt, seit 2017 ist die Barfüßerkirche Veranstaltungsort beim großen Erfurter Stadtfest, dem Krämerbrückenfest. In der Langhausruine haben außerdem die Sommerkomödie Erfurt gGmbH und der Erfurter Theatersommer einen einzigartigen Aufführungsort gefunden.

Bei allem freiwilligen Engagement der Initiativkreismitglieder und größtem Entgegenkommen unserer Partner wäre das oben skizzierte Programm ohne eine finanzielle Basis nicht möglich gewesen. Seit Ende 2011 resultiert unsere Finanzierung ausschließlich aus privaten Spenden!

Wir danken deshalb allen, die uns unterstützen!


Sei es die Münze in der Spendenbox oder eine größere Überweisung auf unser Spendenkonto, sei es die Wortmeldung in einer Diskussion oder die Anregung im persönlichen Gespräch -- die vielfältige Wertschätzung unserer Tätigkeit ist die bürgerschaftliche Grundlage für die Weiterentwicklung unserer Initiative.

Indem wir die Barfüßerkirche als notwendigen und lebendigen Kulturort im Herzen der Erfurter Altstadt verankern, leisten wir gemeinsam einen wesentlichen Beitrag für ihren Fortbestand in der Zukunft.

Höhepunkte

Für ein Bauwerk von europäischem Rang!

Von Anfang an hat sich der Initiativkreis für die konzeptionelle Weiterentwicklung der Barfüßerkirche und ihre Nutzung eingesetzt. Im Juni 2011 formulierten wir in unserer „Standortbestimmung”:

  • Ein städtisches Konzept zur Entwicklung und Nutzung des Areals im Herzen der Altstadt ist nicht bekannt. Der städtebauliche wie geistesgeschichtliche Zusammenhang mit dem gegenüberliegenden Predigerkloster scheint nicht erkannt, spielt dementsprechend keine Rolle und erschließt sich nur dem Kundigen.
  • Die permanent erforderlichen Werterhaltungs-­ und Sanierungsarbeiten können den Verlust an Originalsubstanz nicht dauerhaft verhindern. Die dafür auch in den nächsten Jahrzehnten nötige Finanzierung flösse klüger in eine entschiedene Lösung der Situation. Der seit drei Generationen andauernde Zustand führt durch Gewöhnung unvermeidlich zur Verklärung des Bauwerks als einer romantischen Ruine. Das widerspricht seiner Tradition und steht der Erkenntnis seiner möglichen Funktion im heutigen städtischen Raum im Wege.
  • Die Deklaration der Ruine zum Kriegsmahnmal geschah nie offiziell, ist also nur verbal und wird de facto zur Verteidigung des Ist-­Zustandes benutzt.
  • Die Nutzung als Spielort für Sommertheater ändert nichts an der unbefriedigenden Situation. Sie wird gleichfalls als Argument zur Erhaltung des jetzigen Zustandes und zur Blockierung überfälliger Entscheidungen benutzt.
  • Öffentliches Nachdenken über die genannten Probleme findet nicht statt.

Wir waren angetreten, die Widersprüche zwischen dem Rang des Bauwerks, seiner marginalen Rolle in unserer Stadt und den ihm innewohnenden Möglichkeiten offenzulegen, die Bereitschaft für eine zügige Lösung zu wecken und Unterstützer zu finden.

Im Sommer 2011 durften Mitglieder des Initiativkreises in der von der Erfurter Kulturdirektion einberufenen Arbeitsgruppe zur Entwicklung eines Nutzungskonzepts für die Barfüßerkirche mitwirken. Leider wurde die Tätigkeit dieser Arbeitsgruppe im Herbst desselben Jahres eingestellt, die Ergebnisse sind bis heute nicht öffentlich gemacht.

Wir stellten im Juni 2012 eine Einwohneranfrage an den Erfurter Stadtrat und baten um Auskunft zu Gestaltungskonzept und Nutzungsperspektiven. Gleichzeitig reichten wir einen eigenen Nutzungsvorschlag für das in Diskussion befindliche „Strategische Kulturkonzept” der Landeshauptstadt ein. Im 2013 beschlossenen Kulturkonzept finden wir Ansätze aus der Arbeitsgruppe und unseres Nutzungsvorschlages wieder.

Leider genießen die für die Barfüßerkirche vorgesehenen und notwendigen Maßnahmen zur Zeit nicht die höchste Priorität. Die verfügbaren Ressourcen werden für die Vorbereitung der Bundesgartenschau 2021 in Erfurt benötigt -- eine Wiedereinrichtung des Museums im Hohen Chor scheint auf unbestimmte Zeit verschoben.

Mit unserer ehrenamtlichen Tätigkeit treten wir spätestens seit der Beendigung der Sanierungsmaßnahmen für die Verpflichtung des Eigentümers ein, dieses national wertvolle Kulturdenkmal auch in Nutzung zu nehmen. Unser Veranstaltungsprogramm wird zunehmend in der Öffentlichkeit wahrgenommen und findet positive Resonanz bei immer mehr Besuchern. Nicht zuletzt deswegen gelang es uns 2018, den Thüringer Kulturminister und den Erfurter Oberbürgermeister zur Diskussion mit dem langjährigen Görlitzer Denkmalpfleger Peter Mitsching über Rang und Zustand, Gestalt und Perspektiven der Barfüßerkirche auf's Podium zu bitten.

Auf Vermittlung des Kulturministers beschäftigt sich jetzt der Fachbereich Denkmalpflege und Baugeschichte der Bauhaus-Universität Weimar unter Leitung von Professor Dr. Hans-Rudolf Meier von neuem mit den Möglichkeiten einer Entwicklung des Baudenkmals Barfüßerkirche für eine erweiterte Nutzung.

Der Diskurs über die Zukunft der Barfüßerkirche ist also wieder eröffnet. Es gilt nun, ihn zu durchlaufen und zu einem konsensfähigen Ende zu führen. Peter Mitsching brachte das auf dem Podium am 3. September 2018 auf den Punkt: „Man muß die Inhalte entwickeln und diskutieren, aber man muß auch irgendwann beginnen etwas zu tun. Die Diskussion, ob es so sein soll oder anders, muß endlich sein; man muß dann einen ,Pflock einschlagen' und sagen: Hier ist der Anfang und dahinten ist das Ziel.”

 

Veröffentlicht in: fioretti. Schriften des Initiativkreises Barfüßerkirche Erfurt. Heft 1, 2018

Das „Kleingedruckte“:

Stadtplan

Ihr Weg zu uns:

Die Barfüßerkirche befindet sich mitten in der Erfurter Altstadt.

Adresse:
Barfüßerstraße 20
99084 Erfurt

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Treffpunkt des Initiativkreises ist jeden ersten Dienstag im Monat (außer im Januar und an oder direkt angrenzend an Feiertage) um 19 Uhr die Lobby des Ibis Hotels direkt gegenüber.