Giano, Jordan de

Jordan von Giano
Erster Guardian des Franzikanerkonvents Erfurt

(geboren 1195 nahe Spoleto – verstorben nach 1262 in Magdeburg)

Auf einem Provinzkapitel 1262 in Halberstadt war Jordan als Ältester, Kundigster mit der Niederschrift zur erstaunlichen Ausbreitung des jungen Ordens beauftragt worden. Diese Chronik wurde zu einer kostbare Quelle über sein Wachsen und Wirken seit der Gründung. Wir erfahren von den Verhältnisse im Orden, von Örtlichem wie hier in Erfurt und von der Ausbreitung in dem riesigen Raum zwischen England, dem Baltikum und der Levante.

Jordan trat 1217 oder 1218 in den Orden der Minderbrüder ein. Beim sogenannten Mattenkapitel Pfingsten 1221 in Assisi wurde er von Franziskus nach apostolischem Vorbild mit 27 Brüdern zur Verkündung des Evangeliums nach Deutschland entsandt. Ihr Weg führte sie unter Leitung des Cesarius von Speyer über Trient, Augsburg, Salzburg, Würzburg, Mainz und Worms nach Speyer. Hier wurde Jordan 1223 zum Priester geweiht und zum Guardian des neuen Konvents ernannt, aber bald als Guardian nach Mainz berufen. Von hier schickte ihn 1224 der Provinzial Albert von Pisa mit sieben Brüdern ins kurmainzische Erfurt. Jordan war auch hier Guardian, wurde aber bald zum Kustos von Thüringen berufen. Der Gründung des Erfurter Konvents folgten rasch Gründungen in wichtigen Thüringer Städten. Zweimal reist Jordan in den Folgejahren nach Italien. In einer Audienz bei Papst Gregor IX. ging es um die Amtsführung des Generalministers Elias von Cortona und somit letztlich um Wahrung der franziskanischen Regel und innere Einheit.

Aus der Chronik erfahren wir von den Machtverhältnissen in Erfurt, in denen sich die Brüder orientieren müssen. Sie gibt darüber hinaus Einblick in im Orden längst schwelende Konflikte zwischen dem strikten Armuts- und Demutsgebot des Franziskus und der Liberalisierung infolge der Ansiedlung in Zentren städtischer Entwicklung. Die Involvierung reicher Stifter und die Berührung mit dem Weltgeschehen waren längst unvermeidlich geworden. Klug wertet Jordanus nicht, sondern läßt uns beschreibend zwischen den Zeilen lesen.

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