Rupert der Baumeister

Rupert (auch Robert)

† 1316

Steinmetz und Baumeister, Architekt und Erbauer des Hohen Chores der Barfüßerkirche

Mönche der franziskanischen Provinz Saxonia begannen vor 1300 mit der Niederschrift von Wundern und Visionen zur Glaubensstärkung und Festigung des inneren Verbunds der Brüder und Laien. Der Wissenschaftler Autbert Stroick fand um 1925 das Material wieder. In allen Fassungen treten uns fünf Episoden bzw. Hinweise auf jenen Rupert entgegen. Sie bilden keine zusammenhängenden Vita, enthüllen aber einen äußerst prägnanten Charakter:

  • Als sich der Steinmetz und Baumeister Rupert um Eintritt ins Halberstädter Franziskanerkloster bemühte, baute er für die Gemeinschaft eine Küche, eine Krankenstube und ein Vordach.
  • Als Rupert einmal zu Weihnachten, wie üblich, ausgesandt werden sollte, äußerte er seinen Unmut, so daß der Abt ihm anheim stellte, selbst über den Auftrag zu entscheiden.
  • Rupert arbeitete tagsüber schwer. Danach stärkte er sich mit Tee und verbrachte die Nacht mit Gebeten und Kasteiungen. Einmal erschien ihm die Jungfrau Maria mit dem wunderschönen Jesuskind. Als er es entgegennehmen wollte, entzog sie es ihm. Die Erscheinung verschwand. Rupert beschuldigte sich heftig, mit seiner Ungeduld Jungfrau und Kind vertrieben zu haben.
  • Rupert baute das Klarissenkloster in Seußlitz und später den Hohen Chor der Barfüßerkirche zu Erfurt.
  • Nach Fertigstellung des Hohen Chores starb Rupert. Der Autor des Berichtes sah die eiserne Kette an Ruperts Oberarm. Die Beisetzung „des berühmten Mannes” fand unter Anteilnahme „zahlloser Männer und Frauen” an der Kirchenmauer statt.

Die Zuordnung des Erzählten zu Dokumentiertem:

Das Halberstädter Franziskanerkloster erlebte nach 1240 eine Bauphase an den Konventsgebäuden. Rechnet man von den Fixpunkten Seußlitz (Bau 1262 – etwa 1272) und Erfurt (Vollendung des Hohen Chores und Tod 1316) zurück, so ergibt sich, daß Rupert sich tatsächlich als etwa Zwanzigjähriger seine Zugehörigkeit zum Konvent durch diese Bautätigkeit verdient haben kann. Als der Markgraf von Meißen Rupert mit dem Umbau des Jagdsitz Seußlitz zum Klarissenkloster beauftragte, dürfte er sich inzwischen an Aufgaben bewiesen haben, die wir nicht kennen. Trotz des späteren Umbaus durch George Baer verrät die Anlage in Seußlitz noch heute einen stringenten Geist von Weltabkehr und religiös geprägtem Schönheitssinn, bestätigt durch wenige authentische Relikte und neuere Bauuntersuchungen.

Den Auftrag zur Wiedererrichtung des Hohen Chores der 1291 schwer beschädigten Barfüßerkirche übernimmt er um weitere zwanzig Jahre gereift. Er findet eine Synthese von franziskanischer Strenge und repräsentativer Moderne.

Der Tod traf ihn als 1316 als etwa Neunzigjährigen, legendär durch jene Marienvision und durch die Verbindung von Alter, Können und Lebensweise.

(weiterführend u.a. Volker Honemann in „Franziskaner in Thüringen – für Gott und die Welt“, Ausstellung in Mühlhausen, Paderborn/München/Wien/Zürich 2008)