Bach, Tobias Friedrich

Tobias Friedrich Bach der Jüngere (1723–1805)

Kantor an der Barfüßerkirche vom 28. 01. 1764 – 18. 01. 1805

Seine Tätigkeit, obwohl vergessen, komplettiert die überragenden Präsenz der Bach-Familie zwischen Barock und Neuzeit in Erfurt.

Kompositionen aus seiner Hand sind nicht bekannt. Seine Bedeutung lag in der Befähigung von Choristen und Adjuvanten zur Interpretation anspruchsvollster Chorliteratur in großer stilistischer Breite. Sie sicherte das Aufblühen des Musiklebens der Barfüßerkirche bis ins frühe 19.Jahrhundert.

Johann Sebastians Ohrdrufer Neffe hatte seinem Publikum in Pferdingsleben und Udestedt mit fünfundzwanzig Instrumentalisten und Sängern jahrzehntelang anspruchsvollste Musik zelebriert. Die Taufpaten seiner Kinder verweisen auf enge Beziehungen in die Musikszene der protestantischen Erfurter Kirchen. Folgerichtig besuchte sein Sohn Tobias das Erfurter Ratsgymnasium und die Franckesche Stiftung in Halle. Diese Ausbildung war Voraussetzung für die Anstellung als Kantor und Mädchenlehrer an der hiesigen Reglerkirche.

Das Kantorenamt an der Barfüßerkirche trat er am 28. Januar 1764 an und übte es bis zu seinem Tode aus. Dreimal in Folge hatte Tobias Bach hier das Glück kongenialer Berufspartnerschaften – mit Johann Christian Kittel (Barfüßer-Organist 1757–1782), Johann Wilhelm Häßler (Barfüßer-Organist 1761–1793) und Michael Gotthart Fischer (Barfüßer-Organist 1790–1809).

Ihr Zusammenwirken ermöglichte jene spektakuläre Reihe prägender musikalischer Aufführungen über die regulären kirchenmusikalischen Traditionen hinaus:

1785 Händels Oratorium „Judas Maccabäus“
1787 Reichardt „65. Psalm“ und C.Ph. E. Bach „Heilig, Heilig“
1800 „Die Schöpfung“, Oratorium von Joseph Haydn (mit mehreren Wiederholungen)
1802 „Die Jahreszeiten“, Oratorium von Joseph Haydn.

Tobias Friedrich Bach verstand sich als Dienender an der Musik. Seine Bedeutung wurde über dem Rang seiner komponierenden, dirigierenden und instrumental-solistisch glänzenden Partner vergessen. Fischer beklagte den Tod des erfahrenen, hochprofessionellen Kantors zutiefst – er erkannte die unwiederholbare tradierte, lebendige Musikalität, die sich in Tobias Bachs so selbstverständlich erscheinendem Können ausgedrückt hatte.