Papst, Franz Cristian Karl

Franz Cristian Karl Papst

Architekt

(14. 10.1804 Heiligenstadt – 07.10.1877 Erfurt)

Franz Cristian Karl Pabst wurde 1840 von der königlich preußischen Administration als Bauconducteur zum Wiederaufbau der 1838 teil-eingestürzten Barfüßerkirche berufen. Kirchgemeinde und Rat hatten trotz vereinter Anstrengungen die Riesenaufgabe nicht bewältigen können. Der preußische Staat übernahm das Projekt gegen die Übereinkunft einer paritätischen Nutzung mit der reformierten preußischen Militärgemeinde nach Fertigstellung.

Dem Bauconducteur oblagen Entwurf, Planung und Durchführung des Unterfangens bis zur kompletten Wieder-Nutzbarkeit. Nach Fertigstellung eines Berliner Auftrages begann Pabst 1842 mit umfänglichen Vermessungsarbeiten. Die eigentliche Bautätigkeit konnte 1845 starten.

Zeitgleich übernahm er die überfälligen Sanierungsarbeiten am Augustinerkloster. Hier waren u. a. der Westgiebel der Kirche einen halben Meter mit schweren Folgen für den Gesamtbau aus dem Lot geraten, das Martinsstift einsturzgefährdet. Für beide Bauwerke liegen Zeichnungen von Pabst vor, die mit absoluter Präzision den Ist-Zustand und die immanenten Lösungsmöglichkeiten vorgeben.

So unterschiedlich die beiden Bauwerke und die daraus resultierenden Aufgabenstellungen auch waren, zeichnen sich in Pabsts Herangehen Gemeinsamkeiten ab: Genauigkeit der zeichnerisch fixierten Analyse und Ermöglichung der künftigen Funktion in Räumen, deren architektonische Bedeutung sich an den prägenden historischen Horizont anlehnt, der durch bereinigende Maßnahmen wieder erkennbar und bestimmend sein soll.

Diese Reduzierung, gleichzeitig eine Vertiefung der Wirkung, brachte an der Barfüßerkirche die stilistisch klare bauliche Erscheinung hervor, die bis 1944 zu bewundern war. Sie war aufs Höchste modern, denn sie reflektierte exakt die Grundsätze der jungen preußischen Denkmalpflege. Diese schlug sich bereits in Gesetzen nieder und führte 1843 zur Ernennung Ferdinand von Quasts zum ersten preußischen Staatskonservator. Von Quast bereiste 1845 und 1846/47 die thüringischen Regionen im Regierungsbezirk Sachsen. Sein Interesse für das Baugeschehen am Augustinerkloster ist uns überliefert. Daß er mit Pabst nicht auch Verbindung wegen der Barfüßerkirche gehabt hätte, schließt sich fast aus. Die konsequente Beseitigung der barocken Zutaten im Bauwerk kann als Indiz gelten. Sie ist ein fixes Moment in diesem Stadium der Denkmalpflege im Umgang mit gotischer oder ältere Bausubstanz und Pabst bewies sich als ein kongenialer Verwirklicher ihrer Maximen.

Das Augustinerkloster wurde im Zuge der umfänglichen Sicherung und Neugestaltung für die Zusammenkunft des Deutschen Unionsparlamentes im Frühjahr 1850 eingerichtet und nach weiteren funktionalen Umbau- und Sicherungsarbeiten an Kirchenschiff, Chor, Turm und Funktionsgebäuden etwa zeitgleich mit der Barfüßerkirche 1851 den Kirchgemeinden und der Öffentlichkeit übergeben.

Franz Cristian Karl Pabst wurde irgendwann in diesen Jahren zum Baumeister befördert und 1853 zum Landbaumeister ernannt. Er hat mit fast übermenschlicher Arbeitsleistung und hoher Klugheit unserer Stadt zwei der eindrucksvollste Bau- und Geschichtsdenkmale gerettet und geformt. Daß trotzdem sein Name vergessen ist, erklärt sich am ehesten durch die Stimmigkeit des riesigen Kirchenschiffs und des weltberühmten Klosterkomplexes, die auch von den schweren Schäden des letzten Krieges nicht ausgelöscht werden konnten. Stimmiges wird selten hinterfragt, es wird einfach angenommen.

Pabst war in diesen Jahren Erfurter geworden. Er heiratete die Ilmenauerin Louise Auguste Charlotte Springer und hatte mit ihr die Kinder Ernst Robert Wilhelm (1833), Rosalie Wilhelmine Emma ( geb. 1834) und Ottokar Karl Andreas Rudolph (geb. 1844). Irgendwann zogen seine Eltern nach Erfurt. Die Familie wohnte im Haus Fischersand 2220 (später Nr. 45).

Mehr in dieser Kategorie: « Häßler, Johann Wilhelm